Kaffeeform Berlin - Urheber der Bilder Kaffeeform - RESORTI Blog

Kaffeeform – Tassen aus Kaffeesatz

Kaffeesatz landet in der Regel in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen. Tatsächlich lässt sich dieser Abfall aber auch auf andere Weise sinnvoll recyclen. Das Berliner Unternehmen Kaffeeform macht das möglich.

RESORTI sprach mit Gründer Julian Lechner über die Entstehung der Idee, Entwicklungszeit, zukünftige Projekte und mehr. Viel Spaß beim lesen!

Interview mit Julian Lechner

Zunächst einmal hallo und vielen Dank für Ihre Zeit! Bitte erklären Sie doch zunächst, wer Sie  sind, und um was es bei dem Projekt Kaffeeform überhaupt geht.

Ich bin Julian Lechner, 32 und Gründer von Kaffeeform. Kaffeeform ist eine junge Berliner Firma, die den Kaffeesatz lokaler Gastronomen zu neuen Kaffeetassen recycelt.

Auf Ihrer Webseite gehen Sie bereits kurz auf die Entstehungsgeschichte ein. Wie gelangt man von der Frage „Was passiert mit gebrauchtem Kaffeesatz?“ hin zur Entscheidung „Wir entwickeln aus diesem Rohstoff Tassen“?

Entstanden ist die Idee und Vision, aus altem Kaffeesatz neue Kaffeetassen zu fertigen, während des Studiums für Produktdesign in Bozen, Italien 2009. Bei zahlreichen Kaffees und Momenten am Bartresen stellte ich mir die Frage: „Was passiert hier eigentlich mit dem täglichen Überresten des Kaffeekonsums?“

Julian Lechner Kaffeeform - RESORTI Blog

Kaffeeform-Gründer Julian Lechner (Urheber der Bilder: Kaffeeform)

Drei Jahre Entwicklungszeit für die Tassen aus Kaffeesatz

Sie erwähnen eine Dauer von insgesamt drei Jahren bis zum fertigen Produkt. Wie kann man sich die Entwicklung im Detail vorstellen? Was waren besondere Herausforderungen?

Der Entwicklungsprozess verlief ganz nach dem Motto Trial and Error. Lösungen wurden dann meistens gemeinsam mit Experten aus der Biochemie, Verfahrenstechnik, Gastronomie und dem Produktdesign entwickelt. Ohne stetigen Austausch und allgemeines Interesse wäre die Idee sicherlich nicht über den ersten Prototypen der Uniarbeit hinausgekommen.

Meilensteine der Entwicklung waren sicherlich die Formbarkeit, Haltbarkeit,  Beschaffungslogistik, Trocknung und letztlich auch Haltbarkeit des Materials für die Geschirrspülmaschine.

Produktion von Tassen aus Kaffeesatz - RESORTI blog

Der Kaffeesatz während der Produktion. (Urheber der Bilder: Kaffeeform)

Wie viel Kaffee muss man eigentlich trinken, um eine Espressotasse herzustellen?

Für eine neue Espressotasse mit Untertasse bedarf es ungefähr sechs Serviermengen Kaffee. Die Sorte der Bohnen ist uns dabei egal. Am liebsten jedoch nur FairTrade oder DirectTrade Kaffee 🙂

Wie kommt es zu der bei Tassen doch eher seltenen Eigenschaft der Bruchsicherheit bei einer Fallhöhe von bis zu 1,5 Metern?

Wie so einige Dinge innerhalb des Projektes war die erhöhte Bruchsicherheit ein toller Zusatzeffekt des finalen Materials, der nicht unbedingt geplant war.

Der pflanzliche Verbundwerkstoff verhält sich nämlich ähnlich robust wie Kunststoff oder Holz. Eine schöne Eigenschaft, die besonders im Café-Betrieb oder auch im Hausgebrauch Freunde findet.

Daniel Bertmann RESORTIHinweis von RESORTI-Geschäftsführer Daniel Bertmann:
Sie interessieren sich für interessante und moderne Ansätze zur Wiederverwertung von Rohstoffen? Im RESORTI Recycling-Ratgeber finden Sie weitere Projekte aus Deutschland und der ganzen Welt.

Mittlerweile gibt es auch mehrere Cafés in Deutschland, die die Tassen einsetzen (nachzulesen im Storelocator). Welches Feedback haben Sie von diesen bisher erhalten? Wie werden die Produkte von Kaffeeform allgemein angenommen?

Wie bereits kurz erwähnt, schätzen die Cafés die sinkenden Zahlen an zerbrochenen Tassen und Untertassen. Ebenso gibt es bisher sehr gutes Feedback zu den Wärmeeigenschaften, sprich Isolation der Tassen mit heißen Getränken und schönen Geschichten, die sich rund um das Recyclingmaterial und Herkunft erzählen lassen.

Etwas befremdlich ist für viele Cafés und deren Kunden die ungewohnte Leichtigkeit der Tassen. Da gibt es für viele Nutzer einen Aha-Erlebnis.

Ein Blick in die Zukunft

In Kürze folgt ein weiteres Produkt: der WEDUCER Take-Away-Becher. Dieser ist nicht nur aus Kaffeesatz, sondern auch aus recyceltem Holz verfügbar. Wie kam es zu der Entscheidung, einen weiteren Rohstoff zu nutzen?

Wir erhielten von leidenschaftlichen Teetrinkern immer wieder den Wunsch, ein weiteres Produkt aus einem nachhaltigen Material ohne Kaffeesatz herzustellen. Daraufhin ist die Idee gereift, anstelle von Kaffeeresten recyceltes Holzmehl zu verwenden.

WEDUCER Take-Away-Becher von Kaffeeform - RESORTI Blog

Der WEDUCER Take-Away-Becher aus Holz. (Urheber der Bilder: Kafeeform)

Gibt es bereits weitere Ideen und Projekte?

Die sind eigentlich noch „Top Secret“, aber wir tüfteln bereits fleißig an einem Skateboard Deck aus recyceltem Kaffeesatz für das kommende Frühjahr 2018.

Gibt es ein weiteres spannendes Re-oder Upcycling-Projekt, das wir unbedingt kennenlernen sollten und weitere Beachtung verdient?

Sehr zu empfehlen ist das Unternehmen QMILK, welche Textilen und Kosmetik aus Überschüssen der Milchproduktion herstellen. Wer weiß, vielleicht gibt es da ja auch mal eine Überschneidung mit Kaffee 🙂

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und weiterhin viel Erfolg mit Kaffeeform! ☺

Wir bedanken uns bei Kaffeeform für die Bereitstellung des Bildmaterials!

Weitere Informationen über Julian Lechner und Kaffeeform

1 Kommentar

  1. So eine coole Idee! Besonders spannend finde ich daran, dass es einen zum Nachdenken bringt. Nicht abstrakt, wie bei Kunst, sondern ganz konkret. Wie viel Müll produziere ich? Woher kommt mein Kaffee? Welche anderen Dinge könnte man direkt wieder verwenden? Kaffeesatz ist dabei natürlich besonders spannend, denn er ist unglaublich vielseitig einsetzbar. Man kann ihn dazu verwenden, Möbel zu bauen, Stifte herzustellen, Textilien zu spinnen oder Pilze darauf wachsen lassen. Aber die Kaffeeform-Tassen sind echt mein Liebling.

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