Sport und Bewegung im Alter – Interview mit einem Physiotherapeuten

Je älter man wird, desto schneller bauen die Muskeln ab. Als Folge daraus wird die Kondition schlechter und Alltäglichkeiten zur Herausforderung. Doch wie kann man dem entgegenwirken und Sport auch im Alter machen, um die Fitness zu verbessern?

RESORTI hat neben Daten und Fakten zum Thema Bewegung im Alter einen Physiotherapeuten befragt. So erfahren Sie, wie man sich im Alter fit hält und ob auch langjährige Sportmuffel noch einsteigen sollten.

Von Bewegung profitieren – Sport ist die beste Medizin

Sport und regelmäßige Bewegung sind – richtig dosiert und ausgeführt – hilfreich bei körperlichen Beschwerden. Sportliche Betätigung zeigt nachweislich positive Auswirkungen bei

  • Herz- und Kreislaufkrankheiten,
  • Demenz,
  • Bluthochdruck,
  • Übergewicht,
  • psychischen Erkrankungen.

Sport im Alter wirkt zudem auch gegen ansetzendes Fettgewebe in der Bauchgegend, das Diabetes fördert und das Risiko eines Herzinfarkts erhöht. Bewegung wirkt also beinahe wie ein Medikament und ist die optimale Gesundheitsvorsorge – die nichts kostet.

Fitnessanalyse der deutschen Senioren

Senioren haben diese positiven Auswirkungen erkannt und nutzen ihre Zeit, um sich fit zu halten. Das zeigen folgende Fakten und Zahlen:

  • Die meisten Senioren zwischen 65 und 85 Jahren haben laut eigener Aussage ein positives Lebensgefühl und fühlen sich jünger als sie sind.
  • Knapp 40 Prozent beschreiben ihren Gesundheitszustand als einwandfrei.
  • 40 Prozent der Rentner treiben einmal pro Woche Sport.
  • Rentner treiben im Schnitt etwa eine halbe Stunde Sport am Tag.
  • Ab dem 30. Lebensjahr baut der Mensch jedes Jahr ein Prozent Muskelmasse ab – deshalb sollen vor allem Senioren Muskeln, Ausdauer und Balance trainieren.
  • Männer verschaffen sich durch regelmäßigen Sport im Schnitt 6,2 Jahre mehr Lebenszeit, Frauen leben durch sportliche Betätigung 5,6 Jahre länger.

Mehrere hundert Senioren nahmen an einer Studie des Geriatischen Zentrums in Ulm mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums teil. Das Ergebnis zeigt: Ältere Menschen, die zweimal wöchentlich leichte Balance-, Kraft- und Ausdauerübungen machen, verbessern deutlich ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Die Zahl der Unfälle durch Stürze nahm bei den Studienteilnehmern um 30 Prozent ab. Gehfähigkeit und Kraft verbesserten sich bei mehr als 80 Prozent der Teilnehmer.

Die Häufigkeit, in der Rentner Sport treiben

Sportangebote für Senioren in Deutschland

Das Angebot an Sportvereinen, Fitnessstudios und Outdoor Fitnessparks boomt in Deutschland. Die positiven Gesundheitsauswirkungen von Sport im Alter wirken sich auf das Sportangebot für Senioren aus, was diese Zahlen veranschaulichen:

  • 4,2 von 28 Millionen der Mitglieder deutscher Sportvereine sind 60 Jahre und älter. Viele Sportvereine bieten Angebote speziell für Rentner an.
  • Fast jeder dritte der rund 8 Millionen Fitnessstudio Mitglieder ist älter als 50 Jahre; rund 13 Prozent sind älter als 60.
  • Fitness und Gymnastik sind die beliebtesten Sportarten deutscher Senioren, Wandern belegt den zweiten Platz und Radfahren den dritten.

Fitnessstudios richten sich heute mehr und mehr nach dem gesundheitlichen Aspekt aus. Das altbewährte Klischee der Muckibude löst sich langsam auf und so finden auch Senioren den Spaß am Gerätesport.

Anteil der Senioren in Fitnessstudios

 

Aber nicht jeder kann sich so bewegen, wie er möchte. Im Alter ist die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und so passieren Stürze und Erkrankungen häufiger. Aufgrunddessen bewegt man sich weniger und rutscht so in den Teufelskreis der zunehmenden Bewegungsunfähigkeit. Im schlimmsten Fall ist neben Wohlbefinden und Gesundheit auch die Selbstständigkeit in Gefahr.

Aber lohnt es sich, auch noch im fortgeschrittenen Alter mit Sport dagegen anzugehen? Und welche Übungen sind für ältere Menschen geeignet? Schließlich haben Senioren tendenziell ganz andere sportliche Ziele als junge Menschen.

Die richtige Bewegung im Alter – Interview mit einem Physiotherapeuten

Welche Sportarten für ältere Menschen geeignet sind, was bei körperlicher Betätigung von Senioren zu beachten ist und wie man Bewegungsunfähigkeit entgegenwirkt, hat RESORTI im Gespräch mit dem Physiotherapeuten Ianis Ionuta erfahren.

Welche Auswirkungen hat das Älterwerden auf die Bewegungsfähigkeit sowie die sportliche Fitness?

Es ist absolut natürlich, dass der Körper im Alter abbaut. Die Bewegungsfähigkeit leidet vor allem unter Schmerzen, Entzündungen und auch Erkrankungen. Der Wille zur Bewegung sollte dennoch vom Senioren selbst kommen.

Sportliche Fitness dagegen wird durch präventive Bewegung aufgebaut. Erst später im Leben damit zu beginnen, kann unter Umständen demotivierend sein. Trotzdem ist es natürlich in jedem Alter möglich, sich mehr zu bewegen.

Welche gesundheitlichen Probleme, die die Fitness beeinflussen, treten im Alter vermehrt auf?

Arthrose und chronische Schmerzen erlebe ich in diesem Zusammenhang sehr häufig. Falscher Stolz spielt hier eine große Rolle: Viele Senioren hatten im Arbeitsleben häufig Schmerzen, verdrängten diese jedoch und gingen nicht zum Arzt. Die Resultate sieht man erst Jahre später bzw. machen sich erst später bemerkbar.

Bild von Oma mit Hantel - Bewegung im Alter RESORTI Blog

Bewegung beugt vielen Krankheiten vor – man kann auch im Alter beginnen, Sport zu treiben © RESORTI

Wie können Senioren der immer eingeschränkteren Beweglichkeit entgegenwirken?

Es klingt zwar komisch, aber hier hilft tatsächlich Bewegung. Der Körper baut im Alter alles, was er nicht mehr benötigt, ab. Der Reiz, der durch sportliche Tätigkeit bzw. ähnliche Bewegung entsteht, verlangsamt diesen Prozess.

Fitnessübungen im Alltag

Alltägliche Bewegungen werden im Alter zu einer Herausforderung. Was können Senioren unternehmen, um auch im Alter noch fit für den Alltag zu sein?

Es empfiehlt sich, Übungen in alltägliche Abläufe einzubauen – beispielsweise beim Zähneputzen, Bügeln oder Fernsehen. Ernährung spielt hier auch eine wichtige Rolle.

Was müssen Senioren besonders trainieren? Muskulatur, Balance, Ausdauer?

Das ist individuell, denn jeder hat andere Schwächen. Generell sind Gleichgewicht, Kraft und die Sturzprophylaxe wichtige Aspekte. Im Grunde ist aber ein Ganzkörpertraining immer sinnvoll.

Der Allgemeinzustand verbessert sich dadurch, dass die Kraft in Armen, Beinen und im Rumpf zunimmt. Wer sich unsicher ist, welche Übungen für ihn gut sind, kann sich vom Physiotherapeuten beraten bzw. behandeln lassen.

Physiotherapeut Ianis Ionuta - RESORTI Blog

Physiotherapeut Ianis Ionuta

Welche Sportarten empfehlen Sie für Senioren?

Ganz einfach: Jede! Besonders gelenkschonend sind Wassersportarten. Wichtig ist vor allem, dass der Spaß an der Bewegung immer im Vordergrund steht. Fühlt man sich durch zu hohe Ziele unter Druck gesetzt, führt das schnell zu Frustration und der Sport wird zum „Muss“.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für Senioren, Sport in ihren Alltag einzubauen?

Es ist nicht so, dass man jeden Tag zwei Stunden ins Fitnessstudio gehen muss. Wichtiger ist, dass man sich drei- bis viermal die Woche Zeit für seinen Körper nimmt und diesen fordert.

Ob es Spaziergänge, Gymnastikkurse oder etwas anderes ist: ausreichende Bewegung ist das A und O.

Denken Sie, dass Outdoor-Fitnessparks mit Sportgeräten speziell für Senioren eine Möglichkeit sind, sie zu mehr Bewegung und Sport zu motivieren?

Zu 100%. Allerdings sollten Senioren sich nicht alleine sportlich betätigen. Unfälle können auch den „stabilsten“ älteren Menschen passieren. Des Weiteren steigt die Motivation, wenn man als Gruppe in solchen Parks und Parcours trainiert.

Wie wirken sich regelmäßiger Sport und Bewegung auf den Gesundheitszustand von Senioren aus?

Natürlich grundsätzlich positiv. Wer jedoch beim Sport Schmerzen hat, sollte einen Arzt aufsuchen.

Herr Ionuta, vielen Dank für das Interview!

Weiterführende Informationen zur Bewegung im Alter

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